Die Dinge sind das, was wir in ihnen sehen. Ohne uns existieren sie nicht. Ein Innehalten, ein Stillhalten, ein Wahrnehmen von... und die Zeit, die wir vor und zurück drehen. Bewegen wir das Auge oder uns weiter, lassen wir die Zeit wieder fließen, erlischt das Bild und Stadt wird einfach Stadt. Ohne uns. 


Innerhalb des Bildes tut Jonas Kolenc in seinen Fotografien der „Spuren der Stadt“ nichts. Er findet sie, menschenleer, als Situationen, Konstellationen und Bezugsobjekte vor, richtet den Blick und die Kamera auf sie. Und gibt ihnen damit einen Moment des Durchatmens, der ihnen eine unwirkliche Existenz verleiht. Das Bemerken des Unbemerkten, der gerichtete Blick durch die Linse, die auch sein Buch eröffnet, dreht sich letztlich um das Sehen als Wahrnehmung.


Annette Hans

Spuren der Stadt

Spuren der Stadt

40 Seiten, 30 x 24 cm

26 Farbabbildungen

ISBN: 978-3-86485-013-4

Textem Verlag 2012 12 Euro

Erhältlich ab März 2012

            Mit dem Begriff Anthropozän bezeichnet man im allgemeinen den derzeitigen Zeitabschnitt der Erdgeschichte, bei der wir Menschen den wichtigsten Einfussfaktor auf die verschiedensten Prozesse darstellen. Thematisiert werden in diesem Kontext meist globale Zusammenhänge, doch mit Hilfe der Fotografien von Jonas Kolenc lässt sich das menschliche Wirken auch auf lokaler Ebene beobachten.


Der Betrachter wird Zeuge verschiedenster, teils bewusster, teils unbewusster kreativer Handlungen, die einen angenehm absurden Blick auf unser Leben gewähren. Und mag „die Karawane“ auf den Fotos auch weitergezogen sein, so  finden sich in ihnen immer noch Reste und Spuren unserer allzumenschlichen Bestrebungen. Ob kaputte Melonen, gesprungene Scheiben, verwüstete Areale oder winterfeste Orte des Amusements; hinter all den kleinen von Kolenc festgehaltenen Momenten und Situatiönchen verbergen sich Menschen, Hoffnungen, Schicksale.


Und vielleicht ist es genau dieser Umstand der Menschenleere, der dafür verantwortlich ist, dass es Kolenc wie kaum ein Zweiter schafft, dem Anthropozän etwas Versöhnliches abzugewinnen, während um uns herum die Welt in Trümmer fällt.


Uwe Lewitzky

Auf dem Boden der Tatsachen

Auf dem Boden der Tatsachen

41 Seiten, 25 x 20 cm

23 Farbabbildungen

12 Euro

Erhältlich ab August 2016